Die Lyder gehörten vermutlich zu den indogermanischen Volksstämmen. Ihr Herrschaftsgebiet befand sich im Nordwesten Kleinasiens, etwa in der Mitte zwischen den Flußtälern von Hermos und Mäandros (Mäander). In noch älterer Zeit hieß Lydien Möonien. Im Osten grenzte das Herrschaftsgebiet der Lyder an Phrygien, im Süden an Karien, im Westen an die von ionischen Griechen besiedelte Meeresküste und im Norden an Mysien an. Die ersten Lyder wanderten (nach Herodot) als Kolonisten vom Eurprat in Mesopotamien her nach Kleinasien ein. Verschiedentlich wird vermutet, daß die Lyder Nachkommen jenes Volkes waren, welche auch die Kulturen von Kreta und Mykene begründet hatten (WENDT, 1966, S. 27f.). Das alte Lydien hatte eine eigenartige, der Karischen verwandte Kultur, die schon die antiken Griechen interessierte. Ihr Sprache gehörte zur hethitisch - luwischen Sprachfamilie. Als Ahnherrin der lydischen Könige galt die Göttin Kybele.
Die günstige Lage des Reiches ( Ausgangspunkt der nach Mesopotamien und weiter führenden Handelsstraßen) ließ Lydien zu einem mächtigen Reich heranwachsen. Ihre Hauptstadt war Sardes, das 687 von Gyges gegründet worden sein soll. Der Aufstieg des lydischen Machtbasis begann mit der Zerstörung des phrygischen Reiches im 7. Jahrhundert v. Chr. Unter der Königs dynastie der Mermnaden die ca. 680 v. Chr. mit Gyges beginnt erweiterten die Lyder ihr Reich mit der Hauptstadt Sardes bis zur ostionischen Küste und bis zum Fluss Halys .
Die Hethiter nannten den Kızılırmak Marassanta. In der Antike hieß der Fluss Halys, was vom griechischen Wort für Salz stammt und damit „salziger Fluss“ bedeutete. Er bildete eine wichtige und oft umkämpfte Grenze zwischen verschiedenen Reichen. Der Halys bildete die Westgrenze des Reiches der Meder zur Zeit seiner größten Ausdehnung im 6. Jahrhundert vor Christus
Älteste Münzfunde des Köngis Gyges datieren um die Zeit 685 – 652 v. Chr.. Lydien war über die Grenzen hinaus für Goldreichtum bekannt. Im Fluss Paktolos fand man Gold. In der griechischen Mythologie ist Paktolos ein Flussgott; wie viele Flussgötter ist er ein Sohn des Okeanos (der Ozean) und der Thetys. Er führte der Legende nach Goldscheibchen mit sich, was allgemein als Symbol für den Reichtum der Stadt Sardes angesehen wird, dem Mythos nach aber daher kommen soll, dass Midas im Paktolos badete, um die Gabe, dass alles, was er berührte, zu Gold wurde, an den Flussgott abzugeben.Die ostionische Städte gerieten unter immer stärkeren Druck und wurden teilweise anektiert. Den Lydern wird in antiken Quellen die Erfindung des gemünzten Geldes nachgesagt. Es gibt deutliche Hinweise dass die Lyder tatsächlich die ersten waren die beidseitig geprägte Münzen verwendeten. Die frühesten ihrer als Münzen anzusehender Zahlungsmittel stammen aus dem letzten Drittel des 7. Jh. v. Chr. Militärische Rückschläge musste das Lyderreich bis ca. 630 v. Chr. aber immer wieder durch die Kimmerier hinnehmen die sich im 7. Jh. v. Chr. in Kleinasien aufhielten. Die Kimmerier eroberten die Hauptstadt Sardes um die Zeit um 652 v. Chr. Gyges verstarb bei den Abwehrkämpfen. Anfang des 6 .Jahrhunderts erlangte das lydische Reich eine neue Blütezeit und unter seinen König Alyattes II den Höhepunkt der Macht. Ein Krieg gegen die Meder wurde durch die Sonnenfinsternis im Jahre 585 beendet (in letzter Zeit steht dieses Datum allerdings bei den Althistorikern in der Diskussion). Beide Seiten wurden von dem Naturereignis derart erschreckt dass sie Frieden schlossen. Mit einem Friedensschluss, den Nebukadnezar II. von Babylon und der König von Kilikien vermittelten, wurde die Grenze festgeschrieben.
Fortan bildete der Halys die Grenze zwischen Lydern und Medern. Westlich von ihr konnte Alyattes II alle Regionen bis auf Lykien erobern. Lydien wurde nun als gleichberechtigte Macht neben den Großreichen der Meder, Babylonier und Ägyptern anerkannt. Der Nachfolger des mächtigen Königs Alyattes II wurde König Kroisos. Krösus überschritt 547 v. Chr. den Halys und zog gegen die Perser die das Mederreich anektiert hatten. Nach Herodot ( I 53 ) hatte das Orakel von Delphi Kroisos prophezeit er werde ein großes Reich zerstören wenn er den Halys überscheite. Im (Irr-)Glauben damit sei das Perserreich gemeint griff er die Perser an. 547 v. Chr. unterlag Kroisos bei Pteria den Persern. Die Perser drangen ins Lyderreich ein und eroberten 546 die Hauptstadt Sardes. Lydien wurde fortan eine persische Satrapie. In späterer Zeit wurde das Gebiet von Alexander dem Großen erobert. Ab dem Jahr 133 v.Chr. wurde Lydien der römischen Provinz Asia einverleibt.Ein wichtiger archäologischer Fundort ist das Gräberfeld von Sardes, der ehemaligen Haupstadt. Hire wurde das Grab des Alyattes II, einem späteren Nachfolger des Gyges entdeckt. Nach Sardeis wurde ein Edelstein benannt. Der Edelstein wurde als Sarder bezeichnet. Über die Grenzen hinaus bekannt war eine hochentwickelte Töpfereikunst. Auch die Verfeinerung der Wollweberei und Erzschmelze ist den Lydern zuzuschreiben. Den Lydiern wird die Erfindung der Wollfärberei zugebilligt. Die Residenzstadt Sardes soll eine Hochburg dieser Kunst gewesen sein (WENDT, 28).
Um Lydien ranken sich viele Sagen und Geschichten. Danach stammte aus Lydien die kunstfertige Weberin Arachne, die in eine Spinne verwandelt wurde. Arachne „Spinne“ ist eine Figur der griechischen Mythologie, die in der Kunst der Weberei einen Wettstreit gegen Athene (röm. Minerva) anstrebte und bestand, was die Göttin dermaßen erzürnte, dass sie ihre sterbliche Konkurrentin in eine Spinne verwandelte. Die Sage um Arachne ist eine späte Beigabe zur griechisch-/römischen Mythologie.
In Lydien verdingte sich der Herakles drei Jahre lang als Sklave der Königin Omphale, einer Tochter des Jardan und Nachfolgerin ihres Gatten Tmolus. Ihrer Verbindung sollen Agelaus und Kandelaus entsprossen sein. Den Lydiern wird die Erfindung der Wollfärberei zugebilligt. Die Residenzstadt Sardes soll eine Hochburg dieser Kunst gewesen sein (WENDT, 28). Aus antiken Quellen galten die Lyder den Hellenen als Barbaren. Da paßt es, daß sie den lydischen Halbgott Tantalos als Frevler im Tartaros büßen lassen. Der hatte nämlich mit den Olympiern allerhand böse Scherze getrieben, unter anderem ihre Allwissenheit geprüft, indem er ihnen seinen eigenen geschlachteten Sohn als Menschenopfer anbot. In der Tragöde AISCHYLOS werden die Lyder als „weichlich lebende" (Die Perser 41) bezeichnet. Nach Aufzeichnungen Herodots (1.94) sollen die Lyder Ahnherren der zu seiner Zeit als Seeräuber gefürchteten Etrusker gewesen sein. Eine Hälfte des Volkes habe demnach unter Führung des Prinzen Tyrrhenos Lydien verlassen und sich in Italien niedergelassen.
Königsliste:
|
Name |
Daten |
Daten |
Bemerkungen |
|
Gyges |
710-672 |
vor 668–644 . |
Usurpator, heiratet Witwe des Kandaules |
|
Ardys II. (Ardysus II.) |
671-624 . |
643–624 |
Sohn des Gyges |
|
Sadyattes II. |
625-613 |
623–613 |
Sohn des Ardys II. |
|
Alyattes II. |
613-556 |
611–556 |
Sohn des Sadyattes II., „Erfinder" der Münzprägung |
|
Kroisos |
555-541 . |
Sohn des Alyattes II. |


