Ephesus (Efes) liegt etwas 70 km südlich von Izmir in der Nähe der Ortschaft Selcuc. Die Ruinenstadt von Ephesus gehört zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten in der Türkei. Ephesus lag im Altertum unmittelbar am Meer und besaß einen wichtigen Hafen. Durch die zunehmende Versandung des Kücük Merendes (Kleiner Mäander), antiker Kaystros ging die Küstenlinie weiter zurück. Die Meeresströmung von der Bucht bauten einen natürlichen Wall auf, der zur Versumpfung des Hinterlandes führte. Bereits zu römischen Zeit konnte nur ein kleiner Teil des Hafenbeckens freigehalten werden. Ephesus verlor an Bedeutung und wurde allmählich von Flußablagerungen überdeckt. Die Ruinen über dem Boden wurden für Bauzwecke verwendet oder als Löschkalk verbrannt. Die Siedlungsgeschichte von Ephesus reicht bis in die Zeit des Spätchalkolithikum (5000 v.Chr) zurück wie Befinde am Ayasoluk-Hügel im Bereich der Zitadelle von Selcuc belegen. In der Zeitenspanne um 2000 v.Chr. berichten hethitische Texte von einer Siedlung Apasa im Land Arzawa. Schon damals war die Gegend ein wichtiges Zentrum im Einflussbereich der hethitischen und mykenischen Kulturen. Mionische und mykensiche Reste datieren aus der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends vor Chr..
Einheimische Lyder und Karer besiedelten zu späterer Zeit das Gebiet. Die Griechen gründeten eine Siedlung mit dem Namen Koressos. Im Jahr 560 v.Chr. eroberte der lydische König Kroisos die Gegend und vereinigte mehrere Kleinsidlungen zu einer neuen Siedlung auf einem Gebiet nahe dem Artemistempel. Im Jahr 296 v.Chr. wurde die Stadt durch den Diadochen-König Lysimachos von Thrakien an die heutige Stelle verlegt. Ephesus erlebte eine große Blütezeit 189 – 133 v.Chr. unter Herrschaft Pergamons bzw. 133 v. Chr. durch die Zugehörigkeit zum Römischen Reich. Ephesus gehörte mit einer Fläche von ca. 350 Hektar und einer Einwohnerzahl von ca. 200.000 zu den bedeutendsten und größten römischen Städten. Zu dieser Zeit war Ephesus Sitz des Stadthalters (Proconsul) der Priovinz Asia. Es entstanden zahlreiche öffentliche Bauten, bedeutende Tempel zu Ehren der Kaiser Vespasian und Hadrian. Die Stadt konnte diese Stellung bis in die Spätantike behaupten. Sie war Wallfahrtsort, Bischofssitz und Hauptstadt der Diözese Asiana.Ephesos erlangte auch bei der weiteren Christianisierung Bedeutung. Nach Apg 19 EU predigte der Apostel Paulus während seiner 3. Missionsreise (nach 50) in Ephesos. Er erregte dort unter anderem den Unwillen der Devotionalienhändler, die um ihr gutes Geschäft mit der „Diana der Epheser“ fürchteten. Nach römischen Recht wurde Paulus aber in der Stadt geduldet. Ebenfalls im Neuen Testament ist der Epheserbrief enthalten, den er später an die Gemeinde der Stadt gerichtet haben soll. Die christliche Gemeinde in Ephesos ist sodann die Empfängerin des ersten Sendschreibens der Johannesapokalypse (Offb 2,1-7 EU) an die sieben Gemeinden in Kleinasien (Offb 1,11 EU). Nach einer weiteren außerbiblischen Legende soll sich Maria nach der Himmelfahrt Jesu mit dem Kreis der Frauen um Jesus und mit dem Apostel Johannes in einem Haus in der Nähe von Ephesus (dem Meryemana) niedergelassen haben und bis zu ihrer eigenen Himmelfahrt viele Menschen in Heilkunde und der Lehre des Christentums unterrichtet haben. Im Jahr 157 n.Chr. Fand der platonische Dialog des Christen Justinus mit dem Juden Tryphon statt, eine der frühesten überlieferten Auseinandersetzungen mit dem Judentum.Im Jahr 431 tagte in Ephesus das von Kaiser Theodosius II. einberufene 3. Ökumenische Konzil, auch Konzil von Ephesus genannt, im Jahr 449 dann die so genannte Räubersynode, deren Beschlüsse bereits 451 verworfen wurden. Die sogenannten Marienkirche, von der nur mehr Reste erhalten sind, wurde mehrfach als Ort des Konzils genannt; dies ist in der Forschung jedoch umstritten. Die Blütezeit dauerte bis weit in das 6. Jahrhundert n.Chr. Ephesus verlor in byzantinischer Zeit allmählich ihre frühere Bedeutung. Ein wichtiger Grund hierfür war die Versandung des Hafens. Die letzten nach den Mongolenstürmen unter Timur-Leng erhaltenen Rest der Stadt verfielen bei den nachfolgenden Auseinandersetzungen zwischen den Seldschuken und Osmanen zusehend. Im Jahr 867 eroberte ein Heer der Paulikianer unter Johannes Chrysocheires die Stadt. Im Jahr 1090 – kurz vor dem Ersten Kreuzzug – wurde Ephesos von den Seldschuken erobert; in der Nähe entstand in türkischer Zeit der Ort Ayasoluk, später in Selçuk umbenannt. Die letzten nach den Mongolenstürmen unter Timur-Leng erhaltenen Reste der Stadt verfielen bei den nachfolgenden Auseinandersetzungen zwischen den Seldschuken und Osmanen.


