Größere Kartenansicht (Bilder Knidos)
Wir fahren von Datca zu der rund 35 km weiter zu der Westspitze der Halbinsel der Ruinenstätte von Knidos. Eine interessante Alternative, dem antiken Knidos einen Besuch abzustatten, ist eine Bootsfahrt. Die schmale vorspringende Insel (Boz Dagi) liegt bis zu 1175 Meter über dem Meer. Diese Gegend wurde im Altertum Knidischer Chersones oder Dorisches Vorgebirge (Resadiye Yarimadasi) genannt. Knidos lag auf dem zum Meer abfallenden Kap Triopion (Deveboynu Burun), einer Insel sowie auf Teilen des Festlandes. Insel und Festland waren im Altertum durch eine schmale Landenge verbunden. Knidos erreichte seine Berühmtheit durch Wissenschaft und Kunst. Ob Knidos seit seiner Gründung an der Spitze der Halbinsel lag oder erst in spätklassischer Zeit von der Mitte der Halbinsel beim heutigen Datça dorthin verlegt wurde, ist umstritten. Nach geschichtlicher Überlieferung wurde die Stadt Knidos (lat. Cnidus oder Gnidus) von Griechen gegründet. Knidos erreichte seine erste Blütezeit vor allem durch Schiffahrt, Handel und Handwerk. Im Jahr 580 v.Chr. expandierte die Stadt und war an der sizilianischen Kolonisation der ägyptischen Stadt Nauratis am westlichen Nildelta beteiligt. Die Folgezeit verlief sehr stürmisch und turbulent. Im Jahr 565/564 v.Chr. stand die Stadt unter persischer Herrschaft. Um 550 war die Stadt an der Erbauung eines Schatzhauses in Delphi beteiligt. Als Mitglied des Attisch-delischen Seebundes (477 v.Chr.) blühte die Stadt weiter auf und besaß eine berühmte Ärzteschule. In der Folgezeit (412 v.Chr.) schloß sich die Stadt Sparta an, gelangte dann aber erneut unter persische Herrschaft. Im Jahr 394 v.Chr. fand eine Seeschlacht vor Knidos statt in der der Athener Konon (als persischer General) die spartanische Flotte vernichtete. In dieser Zeit entstanden berühmte Kunstwerke, die Knidische Aphrodite des Bildhauers Praxiteles (jetzt im Pariser Louvre) und die Demeter (jetzt: Britisch Museum in London). Die ptolemäische Herrschaft im 3. Jh. v. Chr. wurde um 190 durch eine rhodische Herrschaft abgelöst. Im Jahr 167 v.Chr. erhält die Stadt die Eigenständigkeit und Freiheit. Zur römischen Kaiserzeit gehörte Knidos zur Provinz Asia. In biblischer Zeit finden wir wieder eine geschichtliche Erwähnung. In der Apostelgeschichte 27, 7 berichtet der Verfasser Lukas über die 4. Missionsreise des Paulus folgendes: "Viele Tage lang machten wir nur wenig Fahrt und kamen mit Mühe bis auf die Höhe von Knidos. Dann zwang uns der Wind, den Kurs zu ändern."Der stärkste Feind waren jedoch Erdbeben in der Zeit von 263 – 467 n.Chr. In der Spätantike erlebte die Stadt noch einmal eine Blütezeit und wurde Bischofssitz und ist bis in die heutige Zeit römisch-katholisches Titularbistum Cnidus. Mitte des 7. Jh. n.Chr. wurde die Stadt durch eine arabische Flotte zerstört und verlor in der Folgezeit immer mehr an Bedeutung.
Sehenswürdigkeiten:
1. zwei Häfen (z.Teil nicht mehr vorhanden)
a) Handelshafen
- rechts und links der Landenge
- südliche Hafenanlage mit zwei großen Hafendämmen
- Einfahrt ca. 145 Meter
b) Kriegshafen
- im nordwesten gelegen
- Einfahrt ca. 24 Meter
- Rundturm
- nur noch Mauerreste und Terrassen zu besichtigen
2. Stadtmauer
- Stadtteil auf dem Festland mit regelmäßigem Straßennetz
- ansteigendes Gelände mit Terrassenbauten
- vom Kreigshafen zur Akropolis (bis 285 m Höhe) ansteigend
- noch heute fast unversehrte Mauern und Türme
- (anstrengend zu erklimmen)
3. Löwenkap (Aslanci Burun)
- Löwendenkmal ca. 6 km südöstlich von Knidos (nur mit Boot befahrbar)
- Siegesdenkmal der Seeschlacht des Konon 394 v. Chr.
(90 athenische und persische gegen 85 spartanische Galeeren)
- Denkmal in Form eines Sarkophag (leerer Steinbau in Erinnerung an einen Toten)
- Aufbau ähnlich wie das Mausoleum von Halikarnassos in Bodrum
- viereckiger Unterbau mit dorischen Säulen, eine Stufenpyramide tragend auf
der ein Löwe Wache hält


